Misano 2019
Der Plan:

Tja, wenn man schon von einem Plan spricht, wird es wohl auch eine abweichenden Realität geben ...
Der Plan war in Misano ein Rennstreckentraining mit DocScholl als Veranstalter. Schön im April die Saison etwas früher mit Cappuccino, Pizza, Slicks und Vollgas einzuleiten.
Eins vorweg, es waren geile 3 Tage! Mit ein paar Hürden ... :-)

Misano World Circuit Simoncelli

Misano 2019
Die Plan-Abweichungen:

Das Rahmenprogramm gestaltete sich mit Anreise und Nebenschauplätzen recht spannend. Zwischendurch hatte ich den Verdacht, ich habe aus Versehen ein Resilienz-Training zur Stärkung meiner Krisenfestigkeit gebucht. Geplant war das Ganze mit entspannter 2-tägiger Anreise, 3 Tage Renne und dann noch 2 Tage am Levico-See zum Ausspannen. Und dann eben wieder heim.

Donnerstag

Es begann mit einer kleinen Spax-Schraube im Autoreifen am Vortag der Hinfahrt. Man kennt das, voll tanken, Öl prüfen, Luft checken. Uups, hinten-rechts 1,2 bar, das schickt nicht!

Schraube

Ich brauche „JETZT“ zwei passende Sommerreifen und „JETZT“ einen Termin zur Montage. Zwei Bedingungen, die immer Begeisterung auslösen! Einige Telefonate später hatte ich durch Freunde tatsächlich beides gefunden. Also mal eben das Auto mit zwei neuen Pellen bestückt und mich dann nach dem 3-stündigen Intermezzo wieder dem Verladen der Ausrüstung zugewandt.

Freitag

Alles schön, alles gut, Freitags dann ab nach Österreich zur ersten Übernachtung.
Essen und Entspannungs-Bierchen, alles im grünen Bereich.

Bier

Samstag

Samstags nach dem Frühstück dann los. Ich fahre so Richtung Innsbruck und denke noch so ….
„Alles läuft rund, Wetter soll auch passen …… fange an, mich zu entspannen und freue mich auf „Urlaub“. An Innsbruck vorbei vor der Mautstation halte ich hinter nem SUV an und denke noch so: Was macht der denn für weise Wolken …
Als er dann weiter fuhr …. Ohh, das sind ja meine weisen Wolken.

BINGO! ICH habe den Hauptgewinn!

ADAC angerufen und während der Wartezeit schon mal schnell den Luftfilterkasten rausgebaut. Ohne Studium war zu erkennen, daß der Kühlwasserausgleichsbehälter längs auf ca. 10cm gerissen war und vor sich hin pisste wie nen Baby auf dem Wickeltisch.
Ok, hätte auch morgens auf dem Weg zur Arbeit passieren können und nicht mit Anhänger auf dem Weg zur Renne im Ausland. Nach ner halben Stunde kam dann der ADAC begrüßte mich dann mit den Worten: "Kühlwasserausgleichsbehälter?"

Aaaargh!

Also Abschleppen in die einzige am Samstag offene Werkstatt in der Nähe. Vielleicht geht da ja was zu flicken. Dort angekommen habe ich auf die Frage, was passiert sei, ihm erzählt, daß der Ausgleichsbehälter gerissen ist.
Ein „dann brauchen wir gar nicht nachsehen, da können wir auch nix machen“ steht gar nicht zum ankreuzen auf dem Stimmzettel. Komisch!
Kennt Ihr das, wenn man gerade so ein Rauschen auf den Ohren hat und die Antwort nicht richtig versteht. :-)
Ok, Samstag-Vormittag in Österreich. Die Optionen der Reihe nach:

# BMW in Innsbruck anrufen
Keine Teile zu bekommen.
Ich hätte nur ein neues Auto, aber keine Zündkerze kaufen können.
Neues Auto, gute Idee, war aber gerade nicht in Stimmung.

# ADAC, 2. Versuch
Nochmal den ADAC angerufen wegen Leihwagen, Urlaub fortsetzen, ... PLUS-Mitgliedschaft ....bla-bla-bla
Nach einer 3-viertel Stunde habe ich erfahren, daß der nächste Leihwagen mit AHK 140km entfernt steht. Taxi kostet ca. 160,- €, und bis das Auto dann hier ist, Anhänger dran, ... ist es Nacht.
Ok, fällt aus.

# Bis Montag warten
Die Alternative wären 2 Übernachtungen und am Montag das Auto reparieren und dann weiterfahren.
Dann ist Misano aber Geschichte und ich habe mir mit Alkohol die Leber ruiniert.
Ok, fällt auch aus

Also nochmal in die Werkstatt und mit den Jungs geredet.
Ich benötige einen Lötkolben und etwas Unterstützung beim Aus- und Einbau des Ausgleichbehälters.
Beides haben mir die Jungs zugesagt.

Es war 15:30 Uhr, die Werkstatt macht um 17h zu, aber mir wurde noch etwas Verlängerung zugestanden.
Also Auto auf die Grube und los geht´s.
(Ich habe das auch noch nie gemacht, kein Werkstatthandbuch und voller Hoffnung, daß nicht noch was am Kunststoff abkackt) Nach ner guten halbe Stunde hatte ich das Ding auch vor mir liegen.

Also auf die Werkbank und mit Lötkolben und nem Kabelbinder als Schweißdraht den Riss erstmal "zugeschweißt" und wasserdicht gemacht.
Anschließend noch mit nem 2K-Kleber die „Schweißnaht“ abgedeckt, und dann mit Panzerband und 2 Kabelbindern den Behälter „druckfest“ gemacht.
Alles wieder eingebaut, befüllt, entlüftet und Probelauf gestartet. Soweit schien alles im grünen Bereich. Blieb trocken und hat auch im Kühlsystem Druck aufgebaut.

Kühlwasserausgleichsbehälter k03 Kühlwasserausgleichsbehälter k02 Kühlwasserausgleichsbehälter k01

Dann erstmal mit den Jungs in der Werkstatt aus meinem Misano-Vorrat nen Feierabend-Bier aufgemacht, ein paar Süßigkeiten auf der Werkbank verteilt und noch was für die "Kaffee- oder Bierkasse" da gelassen.

Ok, noch kurz überlegt ob ich ne Übernachtung einschiebe und Sonntag fahre oder mich gleich auf dem Weg mache.
Einer der Werkstatt-Jungs aber meinte, es sei dem ADAC eigentlich egal, ob ich nachts oder am Sonntag anrufe ... recht hat er!

Es war 18:45h, der Tank war fast voll, wir trugen Sonnenbrillen, … äh nein, das war was Anderes.
Also los, 20km bis zum Brennerpaß, dann geht es ja eigentlich bis Misano nur bergab. Naja, so ungefähr jedenfalls.
Urlaubsfeeling sieht anders aus. Mit schummrigen Gefühl und ständigem Blick auf den Temp-Anzeige, gestartet. OK, es lief soweit ....
Auf dem Brenner dann noch etwas Schnee (ich hatte vor 2 Wochen schon auf Sommerreifen gewechselt) .... Kleinigkeiten.

Irgendwo hinter "Garda-Süd" habe ich nochmal getankt. Hätte zwar knapp gereicht, aber wer will nachts schon mit wenig Sprit irgendwo durch die Gegend fahren. Leider hat sich aber mein Navi bei der Wiederaufnahme der Zielführung wohl so verheddert, daß es sich nicht mehr orientieren konnte. Schön, 23:15 Uhr, und wo bin ich?
Und das Ding hat keinen Knopf zum booten außer anhalten, aussteigen, Auto abschliesen .... warten.
(...
Mir war was von 5 oder 6 Minuten im Kopf.
Das ist verdammt dunkel nachts auf der Autobahn.
Und was sagt der Kühlwasserausgleichsbehälter zu der Pause?
Und wie erkläre ich einem eventuell anhaltendem Italiener, daß ich auf mein Navi warte?
Es fäll einem in so einer Situation allerlei Mist ein!
...)
6 Minuten haben nicht gereicht! (habe später erfahren, ich hätte 15 warten müssen)

Ok, zum Glück habe ich seit 2 Jahren ein Smaaart-Phone! Google-Maps, Stöpsel ins Ohr und weiter geht´s. Is ja schon spät.
(Am Rande bemerkt, politisch nicht ganz korrekt, aber seht es mir nach)
Mein Navi im Auto hat eine Frauenstimme. OK.
Google aber IST ne Frau. Was man über einen Spurwechsel alles so erzählen kann. Wow!
Verona-Nord und das Flughafen-Kreuz waren eine Herausforderung. :-)

Dann wurde es ruhiger, Modena, Bologna, Imola, --> Rimini. Irgendwann von der Autostrada runter, durch Straßen geleitet, wo mir keiner hätte entgegen kommen dürfen .... keine Ahnung wo ich war!

Dann endlich, 1:30h, Misano Adriatico, Viale Daijiro Kato 10, Schranke, Flutlicht, … ich war wirklich angekommen.

Natürlich war nix mehr mit Pavillon und Luftbett aufbauen. Rücksitzbank umgeklappt, Decken und Schlafsack zurecht gelegt, Füße in den Kofferraum geparkt und dann versucht zu schlafen.

Sonntag

Kurze Nacht aber dafür schlecht geschlafen! :-(
Raus aus dem Auto, mich erstmal sortiert, Plätzchen gesucht und alles aufgebaut. Technische Abnahme, Box eingerichtet, mich mit der Boxen-WG bekannt gemacht.

Alles gut soweit. Bis auf mein Luftbett. Das war nach 'ner viertel Stunde wieder platt, da beim Transport im Anhänger wohl irgendwas reingepiekst hat.
Ok, natürlich habe ich ja Flickzeug dabei.
Also noch schnell geflickt, es ist eben doof, wenn´s Bettchen für später kaputt ist.

Rennfahrer-Nest

Aber dann ging es echt los, also auf die Piste und erstmal geschaut, wo es überhaupt lang geht.
Abends dann ziemlich platt gewesen und auch einigermaßen gut geschlafen.

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Montag

Der Montag verlief völlig unproblematisch.
Es war sonnig, wurde wärmer und ich habe über Mittag auf meine Slicks gewechselt.
Abends gab es dann einen "italienischen Abend" mit lecker Essen und Trinken dazu. :-)

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Dienstag

Auch der Dienstag lief eigentlich schön rund. Im letzten Turn auch nochmal meine Zeit verbessert, da schon deutlich weniger auf der Strecke los war.

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Wir wußten ja, daß wir Mittwochs um 8h morgens unseren Platz verlassen mußten, da eine Veranstaltung mit der VR46 Akademie stattfand. Also alles bis auf Pavillon und Luftbett eingepackt. Es sollte nicht reichen. Gegen 19h dann erfahren, daß wir am Abend schon den Platz räumen müssen und im Fahrerlager nur an einer abgelegenen Ecke übernachten dürfen.

Naja, das lag sicherlich auch an uns. Das haben wir wohl bei der Fahrerbesprechung nicht korrekt verstanden.
(aber 4 Leute haben den Mittwoch, 8h im Kopf gehabt)
Also kein Feierabend-Bier, sondern ein kleiner Alarmstart, alles eingepackt und auf den B-Platz gewechselt. Natürlich kein Pavillon und kein Luftbett aufgebaut .... Rücksitzbank umgeklappt ... siehe oben.
Gut geschlafen ist was anderes.

Mittwoch

Am Mittwoch-Morgen war natürlich das Fahrerlager entsprechend abgesperrt.
Mit vorgehaltenen Zahnbürsten und Handtüchern sind wir dann mit dem Argument Waschen, Zähneputzen etc. in den abgesperrten Bereich und dann einfach den ganzen Tag nicht mehr rausgegangen.

Da waren sie dann alle, die Pasini´s, Bezzecchi`s, Baldassarri´s, und Rossi´s dieser Welt.
Was ein Aufwand, die ganzen Boxen wurden umgebaut, Teppichböden, Stellwände mit Stoffplanen bespannt ..... mal eben 10 R1 in die eine Box und 10 R6 in die nächste Box .... Was da aufgefahren wird, ....

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Junge, junge, was bin ich ne arme Sau!
Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, daß der Platz, wo wir am Abend noch standen, nicht benötigt wurde. :-)
Am Nachmittag habe ich mich dann auf die erste Etappe des Heimwegs gemacht. Levico Terme am Levico-See (30km östlich von Trento), Fahrt war streßfrei.
Kühlwasserausgleichsbehälter war gut geflickt!
Am Abend rief dann noch die Freundin an, und teilte mir mit, daß Sie beim Blumen gießen festgestellt hat, daß ich ca. 30°C Raumtemperatur im Wohnzimmer habe, der Heizkörper sacke-heiß ist und das Ventil auf „AUS“ steht.
Ok, mach die Fenster auf und laß laufen. (Wieder zuhause waren es 33°C. Läuft!)

Donnerstag

Am Donnerstag nach dem Frühstück, kleiner Auto-Check, Öl, Wischwasser, etc.
OK, nen kleinen Schluck Öl auffüllen, hab ja immer was im Kofferraum liegen, kein Problem.
Ääh, fast kein Problem. Der Deckel der Öldose war aufgeplatzt und die Öldose selbst nur noch halb voll. Die andere Hälfte lag in der Reserverad-Mulde.
Naja, Lappen und Bremsenreiniger hatte ich ja im Anhänger ...

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Ja, das war es auch schon.
Den Donnerstag noch ne Runde mit dem Fahrrad gefahren,

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... diverse Cappuccino-Pausen gemacht ... Südlich der Alpen wir ein Cappuccino natürlich anders serviert ....
Da könnte man sich in D mal was abgucken! :-)

Misano World Circuit 025

Freitag

Freitag ging es dann wieder nach Hause. 950 Km.
Für den Kühlwasserausgleichsbehälter heißt es noch den Brenner hoch und dann noch die Rhön, der Rest ist easy ... wird schon werden.

Aber das Fahren in Misano war echt super!.
Und die Kurve, vor der ich am meisten Respekt hatte, (#11, die schnelle Rechts) ja wie geil ist die denn. Wenn man sich etwas dran gewöhnt hat, bei über 200 aus der Verkleidung raus . . . . .
Ich werde nächstes Jahr wieder buchen. Ich möchte im Frühjahr mal etwas „Urlaub“ machen. :-)


\\ Carsten


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